Chaos, Unsicherheit, Extreme – all das ist zentraler Teil des Alltags vieler Menschen geworden. Es fühlt sich so an, als wäre die Welt ein Stück weit aus den Fugen geraten. Das Chaos, die Unsicherheiten und Extreme, sie machen etwas mit mir.
Ich versuche Erklärungen dafür zu finden und Dinge, die mir unverständlich erscheinen, einzuordnen, ihnen eine Bedeutung zuzuschreiben, um in all den Wirren für Orientierung zu sorgen und um kleine Sicherheitsanker auszuwerfen. Ich konsumiere dazu Nachrichten, bewege mich in Sozialen Netzwerken, spreche mit Menschen in meinem Umfeld, komme aber mit dem Verarbeiten aller Eindrücke kaum hinterher.
Neben all den nicht zu überblickenden, komplexen Informationen sehe ich aber auch Menschen, denen es genauso geht wie mir. Ich erlebe in meinem persönlichen Suchen und Ringen eine paradoxe Art von Gemeinschaft und dann lese ich ermutigende Sätze, sehe kluge Personen, die sich mit verschiedenen Themen auseinandersetzen und mir neue Perspektiven anbieten. Anderen gelingt es einfach nur Zuversicht auszustrahlen. Wie ist das möglich?
Sich im Moment ohnmächtig und handlungsunfähig zu fühlen, liegt meiner Meinung nach in der Natur der Sache. Wir dürfen uns das eingestehen und damit auch empathisch anderen gegenüber sein. Dennoch, die Geschichte Jesu widerspricht dem radikal: Jede noch so tiefe Dunkelheit kann von Licht durchbrochen werden. In Zeiten wie diesen bin ich dankbar für diese Perspektive, denn der Glaube an die Auferstehung spendet nicht nur Trost für die Zeit nach dem Tod, sondern gibt uns auch die Kraft, den Herausforderungen des Lebens mit Hoffnung entgegenzutreten, im Hier und Jetzt.
Leben im Hier und Jetzt also – oft gehört und so banal und doch ein Schlüssel, wenn es darum geht, das Göttliche im herausfordernden Alltag zu entdecken und ihm bewusst Raum zu geben. Martin Buchholz schreibt dazu so treffend wie berührend in einem seiner Liedtexte: »Ich will deine Stimme hören, im Rauschen dieser Zeit. Ich will deine Spuren klarer sehen. Wenn der Nebel dichter wird, dann nimm mich an die Hand und halt mich fest.«
Trotz all der Ohnmachtserfahrungen sollen wir ermutigt sein, uns den Herausforderungen des Lebens zu stellen – mit allen Höhen und Tiefen. Davon schreibt auch Dietrich Bonhoeffer: »Die christliche Auferstehungshoffnung unterscheidet sich von den mythologischen darin, daß sie den Menschen in ganz neuer […] Weise an sein Leben auf der Erde verweist.« (Brief an Eberhard Bethge, 27.6.1944) Der Auferstehungsglaube ist keine Flucht vor der Realität, sondern die Voraussetzung, diese mutig anzunehmen und mitzugestalten.
Das kann gelingen, denn Zeiten wie diese fordern mich mehr denn je heraus, mich damit zu beschäftigen, wofür ich einstehe. Sie fordern mich heraus, meinen Wertekompass auszurichten, und sie fordern mich heraus, in Diskurs und Dialog mit anderen Menschen zu gehen. Zuhören, sich weiterentwickeln, wachsen und die Welt um mich herum daran teilhaben lassen, das klingt nach einem Plan. Und dann hilft mir bei all den Karsamstagserfahrungen, bei all der Schockstarre, bei all dem Ohnmachtsgefühl das grenzenlose Vertrauen, dass alles wieder gut werden kann.
Text: Lisa Funiak
Bild: © AdobeStock_198051253.jpeg